Was ein gutes Ergebnis noch nicht erklärt

Eine Organisation hat eine Krise überstanden. Für die Nachbereitung ist das eine wichtige Feststellung, beantwortet aber noch nicht, welchen Anteil die eigenen Entscheidungen daran hatten. Auch das Verhalten anderer Akteure und die Entwicklung der Lage beeinflussen das Ergebnis.

Mich beschäftigt diese Frage seit mehr als zehn Jahren. Anfangs habe ich vor allem auf die Organisation des Krisenmanagements geschaut: auf Strukturen, Rollen und Zuständigkeiten. Diese Voraussetzungen bleiben relevant. Aus ihrem Vorhandensein folgt jedoch noch nicht, dass ein Team unter Druck angemessen handelt.

Vom Strukturmerkmal zur Entscheidung

Die Betrachtung muss deshalb näher an die tatsächliche Arbeit heranrücken. Dazu sind die damals vorliegenden Informationen mit der Problemdeutung, der daraus abgeleiteten Entscheidung und dem erteilten Auftrag zusammenzuführen. Erst wenn dieser Zusammenhang erkennbar ist, lässt sich begründet diskutieren, ob die Reaktion zur damaligen Lage passte.

In einer Übung habe ich begonnen, beobachtete Ereignisse und Ergebnisse mit Papierlisten systematisch zu erfassen. Der wichtige Schritt war dabei für mich nicht die Verdichtung in Zahlen, sondern die Bindung einer Bewertung an dokumentierte Vorgänge. Eine allgemeine Einschätzung des Teamverhaltens wurde damit zu einer Frage, die sich an einzelnen Handlungen besprechen ließ.

Selbsteinschätzung mit anderen Perspektiven verbinden

Das Gefühl, eine Übung gut bewältigt zu haben, gehört in die Nachbesprechung. Es beschreibt die Wahrnehmung der Beteiligten. Ob das Team ein relevantes Problem rechtzeitig bearbeitet hat, verlangt zusätzlich einen Abgleich mit der Szenarioentwicklung.

Ich würde deshalb zunächst eine wichtige Entscheidung rekonstruieren und die Selbsteinschätzung neben die dokumentierte Informations- und Auftragsfolge stellen. Stimmen beide Perspektiven nicht überein, ist diese Abweichung ein Untersuchungsanlass. Sie sollte nicht vorschnell als Selbstüberschätzung oder als Fehler der Beobachtung erklärt werden.

Was sich daraus entwickeln lässt

Eine nachvollziehbare Übungsauswertung kann zeigen, wo die Informationsverarbeitung, die Entscheidung oder ihre Umsetzung genauer untersucht werden muss. Sie liefert damit Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Krisenmanagements, ohne den Gesamtausgang allein dem Team zuzuschreiben.

Für eine Anwendung auf reale Krisen müssten insbesondere damalige Informationsstände und Handlungsbedingungen rekonstruierbar sein. Ob die erforderlichen Unterlagen vorliegen und welche Lücken sie enthalten, ist im jeweiligen Fall zu prüfen. Der Aufwand lässt sich nicht aus der Erfassung in einer Übung ableiten.

→ Krisenübungen als Diagnoseinstrument: Leistungen → P-DRIVEN: Beobachtungen aus einem explorativen Vergleich: Insights

Vom Beitrag zur Organisationsfrage

Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement

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