Zuerst den Gegenstand bestimmen

Wenn ich Krisenmanagement auswerte, muss ich zwischen dem Erfassen einer Aktivität und ihrer fachlichen Bewertung unterscheiden. Die Zahl der Gespräche, ihre Dauer und ihre zeitliche Verteilung beschreiben Kommunikation. Sie zeigen für sich genommen nicht, ob ein relevantes Problem angemessen bearbeitet wurde.

Für eine Bewertung braucht es einen Bezug zur Aufgabe. Ein Gespräch kann der notwendigen Informationsbeschaffung dienen oder eine bereits geklärte Frage erneut aufrufen. Dieselbe Anzahl von Kontakten kann daher mit sehr unterschiedlicher Entscheidungsarbeit verbunden sein.

Zwei Fragen an nach außen gerichtete Kommunikation

In meinem Manuskript „Prototype-Based Evaluation of Communication Dynamics in Simulated Crisis Exercises (Germany): A DSR Approach“ (Rico Kerstan, überarbeitete Einreichung vom 12.05.2026) unterscheide ich unter anderem, ob eine Handlung im Szenario plausibel zur Bearbeitung des Problems beiträgt und ob sie eine Entwicklung vorwegnimmt oder auf einen bereits eingetretenen Zustand reagiert. Diese Fragen sind unabhängig voneinander: Eine reaktive Maßnahme kann zweckmäßig sein. Eine früh eingeleitete Maßnahme kann am Problem vorbeigehen.

Für die Dokumentation werden Zeitpunkt, Absender, Empfänger und Thema benötigt. Die anschließende Einordnung muss die damals verfügbaren Informationen und die Bedingungen des Szenarios berücksichtigen. Sie ist eine begründete Bewertung des Vorgangs, keine Eigenschaft, die bereits aus dem Kommunikationsprotokoll abzulesen wäre.

Der im Manuskript beschriebene Prototyp erfasst Metadaten zu Anrufen, darunter Zeitpunkt, Dauer und beteiligte Endpunkte. Seine Anwendung zeigte die technische Umsetzbarkeit, aber auch eine Grenze: Aus einem Anrufdatensatz kann ein Kontaktversuch hervorgehen, ohne dass damit der beabsichtigte Empfänger oder der Zweck des Gesprächs erkennbar ist.

Das gesonderte Konferenzmanuskript „The Decision Corridor: An Exploratory Rubric for Reviewing Temporal Actionability in Crisis Management Team Decisions“ (Rico Kerstan, exploratives Konferenzmanuskript vom 29.05.2026) betrachtet deshalb Entscheidungsepisoden im Szenariokontext. In der Demonstration erfüllen zehn von 83 Episoden gemeinsam die drei Kriterien Proaktivität, Szenariopassung und Zielgerichtetheit. Diese Einordnung ist explorativ und kein validiertes Maß der gesamten Teamleistung.

Was eine Prozentangabe leisten kann

Wer kodierte Vorgänge zusammenfasst, muss die Bezugsmenge angeben. Der Anteil als proaktiv eingeordneter Kommunikation bezieht sich auf die entsprechend untersuchten Kommunikationsereignisse. Er bezeichnet weder den Anteil aller guten Entscheidungen noch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Krisenbewältigung.

Die Begründung einzelner Zuordnungen muss deshalb neben der Zusammenfassung erhalten bleiben. Andernfalls lässt sich nicht mehr unterscheiden, ob eine Veränderung im Wert auf anderes Handeln, andere Szenariobedingungen oder eine veränderte Kodierung zurückgeht. Mehrere eng verbundene Gespräche können zudem derselben Aufgabe dienen und sollten nicht unbemerkt als unabhängige Leistungserfolge erscheinen.

Die Nachbesprechung auf konkrete Vorgänge stützen

Ich empfehle, mit wenigen dokumentierten Vorgängen zu beginnen und deren Einordnung gemeinsam zu besprechen. Daraus lässt sich beispielsweise ableiten, ob eine Information früher beschafft, ein Auftrag präziser adressiert oder eine Annahme erneut geprüft werden sollte.

Die Auswertung schafft damit begründete Ansatzpunkte für die weitere Bearbeitung einzelner Vorgänge. Da diese nur einen Ausschnitt des Übungsverlaufs bilden, erlaubt ihre Einordnung noch keine Aussage darüber, welcher Anteil des Gesamtergebnisses auf die Teamleistung oder auf günstige Umstände zurückgeht.

→ P-DRIVEN: Beobachtungen aus einem explorativen Vergleich: Intelligence Briefs → Krisenübungen als Diagnoseinstrument: Leistungen

Vom Beitrag zur Organisationsfrage

Organisationale Resilienz · KI-Transformation · Führung und Krisenmanagement

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